Youmeva
Zurück zum Tagebuch
Start · Tagebuch · Selbstfindung
Selbstfindung

Wenn die eigene Meinung fehlt: warum ich nach 50 erst wieder lernen musste, was ich eigentlich will

Marlene
15. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Hier geht's um den Moment, in dem du bei „Wo wollen wir essen?“ reflexhaft „ist mir egal“ sagst und es nicht mal gelogen ist. Ich habe an einer Eistheke gemerkt, dass ich seit Jahren die Sorte anderer Leute bestelle. Ich erzähle dir, wie ich langsam wieder herausgefunden habe, was ich eigentlich mag. Der erste Schritt war so klein, dass er dir fast albern vorkommt.

Ich bin Marlene, 53, und nach meinem Burnout mit 44 habe ich viel geübt, wieder zu mir zurückzufinden. Das mit der eigenen Meinung war eine der letzten Baustellen, ehrlich gesagt.

Kurz vorweg, für dich, die das hier gerade liest. Deine Meinung ist noch da. Sie ist nur verlernt, weil du jahrelang für andere funktioniert hast. Und man kann sie zurückholen. Am besten fängt man klein an. Bei den winzigen Alltagsentscheidungen. Bei der Eissorte. Beim Kaffee. Beim Film am Freitag. Da fängt es an.

„Ist mir egal“ und wie oft ich das gesagt habe, ohne es zu merken

Ich dachte lange, ich wäre einfach unkompliziert. Anpassungsfähig. Sowas trägt man ja fast wie ein Abzeichen, oder?

Aber irgendwann fiel mir auf, wie oft „ist mir egal“ aus mir herausfiel. Beim Essen. Beim Ausflugsziel. Bei der Frage, welcher Wandfarbe im Flur. Und das Schlimme war, es stimmte tatsächlich. Es war mir wirklich egal geworden. Genauer gesagt hatte ich den Zugang zu dem, was mir nicht egal ist, verloren.

Wenn du dich jahrzehntelang danach ausrichtest, was andere brauchen, passiert etwas mit dir. Das Fragen nach dem eigenen Wollen wird leiser. Irgendwann hörst du es kaum noch. Das ist keine Charakterschwäche. Das ist Übung, nur in die falsche Richtung.

Ich hatte eine Meinung. Ich hatte nur vergessen, wie man sie hört.

Viele Frauen in meinem Alter beschreiben mir dasselbe, oft rund um die Wechseljahre. Das Gefühl, sich selbst verloren zu haben. Plötzlich ziehen die Kinder aus, oder die Rolle bricht weg, die einen jahrelang definiert hat. Das ist normaler, als du denkst.

Das Eis, das ich nie mochte

Ein Nachmittag im Spätsommer. Ich saß mit meiner Schwester im Eiscafé am Marktplatz, die Sonne wärmte die Metalltische so, dass man die Hand kaum flach drauflegen konnte. Die Kellnerin kam, Block in der Hand, und frag

Von Herzen,
Marlene
Zum Mitnehmen
Deine Woche der kleinen Entscheidungen

Lade dir die Übungsseite herunter und probiere eine Woche lang aus, wieder „ich möchte" statt „ist mir egal" zu sagen.

Häufige Fragen

Warum weiß ich nicht mehr, was ich will?

Weil das Fragen nach dem eigenen Wollen leiser wird, wenn man sich jahrelang nach anderen richtet. Die Meinung ist nicht weg, sondern übertönt. Man kann den Draht dahin wieder üben, am besten bei kleinen Alltagsentscheidungen.

Ist es normal, dass man sich in den Wechseljahren selbst verliert?

Ja, das erleben viele Frauen. Schlaf, Konzentration und Stimmung wackeln, gleichzeitig verändern sich Rollen und Alltag. Das macht es schwerer, sich selbst zu spüren. Bei anhaltender Leere gehört es aber in ärztliche oder therapeutische Hände.

Wie finde ich mit 50 wieder zu meiner eigenen Meinung?

Fang bei den winzigen, harmlosen Entscheidungen an, statt bei den großen Lebensfragen. Frag dich vor kleinen Wahlen bewusst, was du selbst willst. Jede Antwort macht den Draht zu dir wieder etwas stärker.

Warum sage ich immer nur, was andere hören wollen?

Weil Anpassung sich sicher anfühlt und keinen Konflikt auslöst. Das wird über die Jahre zur Gewohnheit, die einen leider von den eigenen Bedürfnissen trennt.

Wie treffe ich Entscheidungen ohne schlechtes Gewissen?

Das schlechte Gewissen ist am Anfang die alte Gewohnheit, die sich meldet, kein Beweis dafür, dass du falsch liegst. Je öfter du trotzdem bei dir bleibst, desto leiser wird es.

Hat dir dieser Beitrag geholfen?

Wenn dich das berührt hat, teile es gern mit einer Frau, die es auch lesen sollte.

Marlene
Für dich zum Mitnehmen

Du musst da nicht allein durch

In Marlenes Briefen teile ich, was mir durch diese Phase wirklich geholfen hat, ehrlich und ohne Heilversprechen. Als Willkommen bekommst du meinen Neumond-Guide als PDF.

Briefe & Guide holen
Kostenlos als PDF · jederzeit abbestellbar
Marlene
Über die Autorin
Marlene
Schreibt bei Youmeva über den Weg zurück zu sich selbst, nach dem Burnout mit 44, in kleinen, ehrlichen Schritten.
Wer ich bin →
Warum eine Gründerinnen-Community in der Lebensmitte den Unterschied macht
Als Nächstes empfehle ich dir …
Warum eine Gründerinnen-Community in der Lebensmitte den Unterschied macht
Sichtbar werden · 8 Min.

Das könnte dich auch berühren

Alle Beiträge →
Ein kurzer Hinweis

Wir nutzen eigene Cookies, um zu verstehen, welche Beiträge dir helfen, komplett bei uns, ohne fremde Werbenetzwerke. Details in der Datenschutzerklärung.