Wenn die eigene Meinung fehlt: warum ich nach 50 erst wieder lernen musste, was ich eigentlich will
Hier geht's um den Moment, in dem du bei „Wo wollen wir essen?“ reflexhaft „ist mir egal“ sagst und es nicht mal gelogen ist. Ich habe an einer Eistheke gemerkt, dass ich seit Jahren die Sorte anderer Leute bestelle. Ich erzähle dir, wie ich langsam wieder herausgefunden habe, was ich eigentlich mag. Der erste Schritt war so klein, dass er dir fast albern vorkommt.
Ich bin Marlene, 53, und nach meinem Burnout mit 44 habe ich viel geübt, wieder zu mir zurückzufinden. Das mit der eigenen Meinung war eine der letzten Baustellen, ehrlich gesagt.
Kurz vorweg, für dich, die das hier gerade liest. Deine Meinung ist noch da. Sie ist nur verlernt, weil du jahrelang für andere funktioniert hast. Und man kann sie zurückholen. Am besten fängt man klein an. Bei den winzigen Alltagsentscheidungen. Bei der Eissorte. Beim Kaffee. Beim Film am Freitag. Da fängt es an.
„Ist mir egal“ und wie oft ich das gesagt habe, ohne es zu merken
Ich dachte lange, ich wäre einfach unkompliziert. Anpassungsfähig. Sowas trägt man ja fast wie ein Abzeichen, oder?
Aber irgendwann fiel mir auf, wie oft „ist mir egal“ aus mir herausfiel. Beim Essen. Beim Ausflugsziel. Bei der Frage, welcher Wandfarbe im Flur. Und das Schlimme war, es stimmte tatsächlich. Es war mir wirklich egal geworden. Genauer gesagt hatte ich den Zugang zu dem, was mir nicht egal ist, verloren.
Wenn du dich jahrzehntelang danach ausrichtest, was andere brauchen, passiert etwas mit dir. Das Fragen nach dem eigenen Wollen wird leiser. Irgendwann hörst du es kaum noch. Das ist keine Charakterschwäche. Das ist Übung, nur in die falsche Richtung.
Ich hatte eine Meinung. Ich hatte nur vergessen, wie man sie hört.
Viele Frauen in meinem Alter beschreiben mir dasselbe, oft rund um die Wechseljahre. Das Gefühl, sich selbst verloren zu haben. Plötzlich ziehen die Kinder aus, oder die Rolle bricht weg, die einen jahrelang definiert hat. Das ist normaler, als du denkst.
Das Eis, das ich nie mochte
Ein Nachmittag im Spätsommer. Ich saß mit meiner Schwester im Eiscafé am Marktplatz, die Sonne wärmte die Metalltische so, dass man die Hand kaum flach drauflegen konnte. Die Kellnerin kam, Block in der Hand, und frag
Lade dir die Übungsseite herunter und probiere eine Woche lang aus, wieder „ich möchte" statt „ist mir egal" zu sagen.




